Ein Essay zum Thema Antisemitismus

Der folgende Text ist eine freiwillige Hausarbeit im Fach Geschichte (JG 11/Geschichte Grundkurs) gewesen, die über die Geschichte des Antisemitismus berichten soll. Mein Geschichtslehrer bewertete diese Arbeit mit 15 Notenpunkten (volle Punktzahl). Wenn du ein Schüler bist, dem die selbe Aufgabe gestellt wurde, solltest du diesen Text lieber nicht lesen, sondern über die Historie des Judenhasses recherchieren und dir selber eine Meinung bilden.

Antisemitismus. Judenfeindlichkeit. Viele Menschen denken bei diesen Worten wahrscheinlich an den Nationalsozialismus, den Holocaust und Adolf Hitler. Viele Menschen meinen auch zu wissen, dass dieser Hass gegen die jüurdische Religion aus dieser grausamen Epoche der Weltgeschichte hervorgeht. Ein Irrtum! Die Feindschaft gegen das Judentum lässt sich bis in die Antike vor ungefähr dreitausend Jahren zurückverfolgen. Tatsächlich stammen die ältesten Quellen des Judentums aus der Zeit vor dreitausend Jahren. Man kann also schlussfolgern, dass der Hass gegen die Juden mit der Begründung des Judentums angefangen hat. Wohlgemerkt ist das Judentum auch die älteste abrahamitische Religion und damit älter als der Islam und das Christentum. Die Frage, die manchen Menschen bei diesen harten Fakten wohl durch den Kopf gehen würde, wäre wohl, welche Ursachen dieser Judenhass hat und warum sich dieser bis in das heutige Zeitalter nicht verflüchtigt hat.

Die Feindschaft der Juden in der Antike basiert auf die damalige Herrschaft der Großreiche von Altägypten, Persien, Griechenland und das Römische Reich. Eine Eigenschaft der damaligen Politik war es beispielsweise, einen gewissen Staatskult mit dessen Religion auf die Bevölkerung zu übertragen. Dieser Staatskult war oft mit einer Religion verbunden, welche von mehreren Gottheiten beherrscht wurde. Viele Religionen der Bevölkerung wurden zu jener Zeit einfach an die Staatsreligion des Herrschaftsgebietes angepasst: Eigentlich wurden nur die Namen der Götter angepasst, und schon war es für die Bevölkerung möglich die eigene Religion weiter auszuüben. Das Problem des jüdischen Glaubens, der zu jener Zeit entstand, war es, dass diese Religion von einem einzigen Gott spricht, der der Schöpfer der Welt sei. Natürlich erschwert dieser monotheistische Glaube die Anpassung an die Staatsreligionen, weshalb die Juden ihren Glauben nicht anpassen konnten. So wurde ihre Religion schon damals zu einer Zielscheibe für die Andersdenkenden. Heutzutage sichern die Menschenrechte, dass jeder seine Religion frei ausüben darf und verhindern so die Unterdrückung der religiösen Minderheiten.

Die nächste „Epoche“ des Judenhasses beginnt mit dem Leben von Jesus von Nazaret.  So hält sich bis heute bei manchen Christen der Glaube, dass die Juden schuld seien an der Verurteilung Jesu und die darauffolgende Kreuzigung mit seinem Tod. Da Jesus im Christentum als der Sohn Gottes gilt, hört man heute in diesem Zusammenhang oft den negativ angehauchten Begriff Christusmörder oder Gottesmörder, wenn man sich genauer mit der Geschichte Jesu und des Christentum beschäftigt. Ob die Verurteilung der Juden im Zusammenhang mit Jesus von Nazaret berechtigt ist? Bei dieser Frage enthalte ich mich. Zwar belegen viele Quellen dessen Wahrheit, aber da ich kein Angehöriger einer dieser Religionen bin, und zudem selbst nicht bezeugen kann, was vor rund zweitausend Jahren vorgefallen sein soll, positioniere ich mich nicht in dieser Diskussion die unter Religionswissenschaftlern bis heute anhält.

Das Vorurteil gegenüber Juden, dass diese Gottesmörder seien möchte ich hier nun festhalten. Die Liste der Vorurteile gegenüber Juden möchte ich um die erweitern, welche im Mittelalter oft gemacht wurden. Da Juden wegen ihrer Herkunft und ihrem  Glauben aus dem Zunft- und Gildenwesen der damaligen Zeit ausgeschlossen wurden, konnten Sie logischerweise keine Handwerksberufe oder ähnliches ausüben. Die finanzielle Abhilfe: Anderweitige geldbringende Arbeit, wie der Verkauf von Ramschartikeln, oder ähnlichen. Dies verhalf der jüdischen Bevölkerung zu einem gewissen Reichtum, welchen sie dafür einsetzten, mehr Geld zu erlangen – auf legalem und hilfsbereitem Wege: Die Gründung von Banken, oder das private Verleihen von Geld, brachte den Juden einen Gewinn ein. Damit haben sie wohl auch vielen Menschen die Existenz gerettet. Manche Schuldner waren jedoch nicht in der Lage, den fälligen Betrag inklusive der Zinsen an die Gläubiger zurückzuzahlen. Aus Wut wurde nun schnell das Vorurteil, die Juden seien geldgierig, böse und hinterlistig. Viele Juden wurden auch von ihren Schuldnern einfach ermordet, damit die Schulden einfach verfielen. Ein anderer Aspekt des Mittelalters in Bezug auf den Judenhass ist der Schwarze Tod, der viele mittelalterliche Städte heimsucht. Der Grund: Die schlechten hygienischen Bedingungen in den Ballungsräumen. Da haben diejenigen einen Vorteil, die sich oft waschen, und auch so einen großen Wert auf Hygiene legen. Die jüdische Religion schreibt vor, sich regelmäßig zu säubern, weshalb die Juden hygienisch reiner waren, als der Rest der Bevölkerung. Die logische Schlussfolgerung ist, dass die Juden eben von dieser Seuche nicht heimgesucht wurden. Diese Logik konnte aber nicht von der restlichen Bevölkerung durchschaut werden. Lag es vielleicht daran, dass Juden so und so gehasst wurden? Oder dass sich die Bevölkerung überhaupt nicht mit dem jüdischen Glauben auseinandergesetzt hat? Ich finde jedenfalls, dass diese Bevölkerung hätten von den Juden lernen können, was eine wesentlich geringere Anzahl der Pesttoten hervorgerufen hätte. Trotzdem wurde der jüdischen Bevölkerung vorgeworfen, dass sie an der Pest schuld seien, was eben auch für eine soziale Distanzierung zu Folge hatte.

Modern wurde der Antisemitismus dann im neunzehnten Jahrhundert, welcher sich dann bis zum Nationalsozialismus gehalten hat. Angefangen hat dies wohl mit dem Berliner Antisemitismusstreit von 1880, welcher in den Geschichtsbüchern des elften Jahrgangs eine Rolle spielt. Nach der Meinung von den Unterstützern des Antisemitismus, seien die Juden undeutsch und man befürchte die Vermischung des reinen deutschen Volkes mit der jüdischen Kultur. Die im Lehrbuch abgedruckte Streitschrift jener Unterstützer endet so mit den Worten: „Juden sind unser Unglück!“ Hätte man die Jahreszahl nicht abgedruckt, würde man diese Streitschrift wohl als Unwissender in die Zeit des Nationalsozialismus einordnen. Tatsächlich bin ich auch der Meinung, dass solche Ideen auch der Ursprung jener politischen Einstellung sind. Adolf Hitler verschärfte diese Grundgedanken weiter und schuf die Theorie des Sozialdarwinismus: Die deutsche (arische) Kultur ist die reine gute Kultur, während die jüdische die schlechte unreine Kultur ist. Hitler war so von diesem Wahn gepackt, dass schon kurz nach seiner Machtübernahme die Nürnberger Rassengesetze verabschiedete. Den Juden wurden so jegliche Privilegien genommen. Dies verschärfte sich weiter bis diese keinerlei Privilegien hatten. Juden durften nur noch wenige Berufe ausüben, hatten kein Recht auf Eigentum und ihnen wurde das Benutzen von Fahrzeugen (auch öffentliche Verkehrsmittel) verboten. Diese Aufzählung könnte man noch um Seiten erweitern. Ich denke jedoch, dass dies allgemein bekannt sein dürfte, wie auch das, was Hitler während des zweiten Weltkrieges unternahm: Dem Holocaust. Da Hitler wie gesagt so besessen von seiner Idee war, versuchte er alle Andersdenkenden und Andersseienden zu vernichten. Vernichten… Dieses Wort benutzt man eigentlich, wenn man Gegenstände zerstört oder ähnliches. Trotzdem halte ich dieses Wort an dieser Stelle für passend – aus offensichtlichen Gründen. Mehr möchte ich zu dem Thema Holocaust auch nicht sagen. Ich begreife es trotz der vielen Stunden Geschichtsunterricht immer noch nicht, wie so etwas überhaupt passieren konnte und insbesondere, wie fast die ganze deutsche Bevölkerung diesem wahnsinnigen Menschen gefolgt sind. Aber ich kann mich auch schlecht in die Lage eines Menschen versetzen, der vor achtzig Jahren dies durchgemacht hat. Warum?

Selbst heute ist der Antisemitismus in Deutschland nicht überwunden. So liest man vermehrt von Anschlägen rechtsradikaler Gruppen auf Synagogen und Moscheen. Wenige Menschen in meinem Umfeld benutzen das Wort Jude gar als Schimpfwort. Und auch heute haben viele Menschen Vorurteile gegen diese Menschen, die ganz klar ein Teil unserer Gesellschaft sind und sein sollen.

Die jüdische Gesellschaft ist schon seit ihrer Gründung auf dem Kriegsfuß mit dem Rest der Gesellschaft. Muslime und Juden sind doch auch nur Menschen wie du und ich, oder? Bis zum heutigen Tage. Ich verstehe die Menschen nicht, die heute noch einen solch großen Groll gegenüber den Angehörigen anderer Kulturen haben. Das traurige ist, dass der Trend aber wieder in genau diese Richtung zu gehen scheint…

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